Studie aus Bremen und Hamburg deckt Defizite beim Spielerschutz im Online-Glücksspiel auf
Katja Walter · Jul 31, 2026

Studie aus Bremen und Hamburg deckt Defizite beim Spielerschutz im Online-Glücksspiel auf

Forscher der Gambling Research Unit der Universität Bremen sowie des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg haben einen systematischen Literaturreview von 42 wissenschaftlichen Publikationen abgeschlossen und dabei festgestellt, dass die vorhandenen Instrumente zum Schutz von Spielern beim Online-Glücksspiel in Deutschland weiterhin unzureichend bleiben, während zugleich wirksame Ansätze wie Spielersperren, finanzielle Limits und personalisiertes Feedback identifiziert wurden.
Die im Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung wurde vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert und liefert acht konkrete Politikempfehlungen, die in die bevorstehende Erneuerung des Glücksspielstaatsvertrags einfließen sollen, darunter zentrale Sperrsysteme sowie Einschränkungen bei der Werbung.
Hintergrund und Methodik der Untersuchung
Die beteiligten Wissenschaftler sichteten systematisch vorliegende Studien und konzentrierten sich dabei auf die Wirksamkeit unterschiedlicher Schutzmechanismen in regulierten Online-Glücksspielangeboten, wobei sie sowohl nationale als auch internationale Datenquellen einbezogen und die Ergebnisse anschließend auf die deutsche Rechtslage übertrugen, die seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 gilt.
Ein zentrales Element bildete die Auswertung von 42 Peer-Review-Publikationen, die quantitative und qualitative Erkenntnisse zu Spielersperren, Einzahlungslimits, verhaltensbasierten Warnungen sowie zu Werbebeschränkungen zusammenführen und dabei die aktuelle Umsetzung in Deutschland mit internationalen Best-Practice-Beispielen vergleichen.
Wirksame Instrumente im Überblick
Die Auswertung zeigt, dass verbindliche Spielersperren, individuelle finanzielle Obergrenzen und personalisierte Rückmeldungen über das eigene Spielverhalten zu den Maßnahmen zählen, deren positive Effekte in mehreren Studien nachgewiesen wurden, während zugleich Lücken bei der flächendeckenden Umsetzung und bei der technischen Vernetzung bestehen bleiben.
Personalisierte Feedbacksysteme etwa ermöglichen es Betreibern, Spielern individuelle Statistiken zu Einsatzhöhen und Verlusten bereitzustellen, und diese Form der Transparenz führt in begleiteten Untersuchungen zu messbaren Reduktionen riskanten Verhaltens, während zentrale Sperrdateien verhindern, dass gesperrte Personen über verschiedene Plattformen hinweg erneut Zugang erhalten.

Acht Politikempfehlungen für den neuen GlüStV
Die Forscher leiten aus ihren Ergebnissen acht konkrete Empfehlungen ab, die sich an Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden richten und unter anderem die Einführung eines bundesweit einheitlichen Sperrsystems, strengere Vorgaben zur Werbeplatzierung sowie verbindliche Standards für Echtzeit-Limits vorsehen, die über einzelne Anbieter hinaus wirksam werden sollen.
Weitere Vorschläge betreffen die Verbesserung der Datenübermittlung zwischen Plattformen, die Ausweitung verhaltensbasierter Frühwarnsysteme sowie die regelmäßige Evaluation bestehender Maßnahmen durch unabhängige Stellen, damit Anpassungen rechtzeitig vor der nächsten Vertragsperiode erfolgen können.
Relevanz für die Erneuerung des Glücksspielstaatsvertrags
Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag läuft aus und wird derzeit überarbeitet, sodass die vorliegenden Erkenntnisse aus Bremen und Hamburg direkt in die politischen Beratungen einfließen können, während Vertreter der Länder und des Bundes über künftige Regelungen zum Schutz vulnerabler Gruppen entscheiden.
Die Studie betont, dass ohne strukturelle Verbesserungen bei der technischen Umsetzung und bei der länderübergreifenden Koordination die Schutzziele des Vertrags nur unvollständig erreicht werden, und verweist dabei auf internationale Beispiele, in denen zentrale Register und einheitliche Limitvorgaben bereits messbare Erfolge zeigen.
Unterstützung durch das Bundesministerium für Gesundheit
Die Untersuchung erhielt finanzielle und fachliche Unterstützung durch das Bundesministerium für Gesundheit, das damit die wissenschaftliche Grundlage für evidenzbasierte Anpassungen im Glücksspielbereich stärken möchte, und die beteiligten Institute haben die Ergebnisse in einem detaillierten Bericht zusammengefasst, der unter der Website des ISD Hamburg abrufbar ist.
Schlussfolgerungen der Forscher
Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass bestehende Instrumente zwar einzelne positive Effekte aufweisen, ihre Wirkung jedoch durch fragmentierte Umsetzung und fehlende zentrale Koordination deutlich eingeschränkt bleibt, und sie empfehlen daher eine systematische Weiterentwicklung der Schutzarchitektur im Zuge der anstehenden Vertragsreform.
Die Ergebnisse werden in den kommenden Monaten in Fachgremien und bei politischen Anhörungen diskutiert, sodass die acht formulierten Empfehlungen konkrete Impulse für die Ausgestaltung des künftigen Glücksspielstaatsvertrags liefern können.